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AG Versorgungsforschung und Patientenorientierung
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  PD Dr. Johannes Hamann, Dipl.Psych. Dr. Rosmarie Mendel, Prof. Dr. Rudolf Cohen, Dr. Werner Kissling

 

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  (v.l.n.r. Werner Kissling, Rosmarie Mendel, Johannes Hamann, Rudolf Cohen)  

Versorgungsforschung beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Patientenversorgung unter Alltagsbedingungen. Dabei widmet sich Versorgungsforschung der sogenannten „letzen Meile“, d.h. der Umsetzung von medizinischen Interventionen und Innovationen in die Patientenversorgung. 

Eines der wichtigsten Hindernisse beim Erreichen optimaler Behandlungsergebnisse ist der sogenannte Efficacy-Effectiveness Gap. Mit diesem Begriff bezeichnet man die Tatsache, dass die für ein bestimmtes medizinisches Problem wirksamste Behandlung in der Versorgungsrealität oft nicht durchgeführt wird und die nach dem derzeitigen Wissensstand eigentlich erreichbaren Behandlungsergebnisse in der Routineversorgung oft nicht erreicht werden. Diese Defizite beim Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Versorgungspraxis können sowohl von den Behandlern (Ärzte und andere Berufsgruppen) als auch von den Patienten (v.a. durch Non-Adherence) verursacht werden und haben nicht nur unnötiges Leiden auf Seiten der Patienten zur Folge, sondern auch unnötige Kosten infolge vermeidbarer Komplikationen, längerer Liegedauer, höherer Wiederaufnahmerate, etc.

Die AG Versorgungsforschung und Patientenorientierung beschäftigt sich deshalb mit dem (Entscheidungs-)Verhalten der beiden wichtigsten Akteure, Patienten und Ärzte. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf den Gebieten des medizinischen Entscheidungsverhaltens und der Patientenorientierung (medical decision making, shared decision making).

Shared Decision Making (SDM) ist ein neues Modell der Arzt-Patient-Beziehung, das eine Mittelstellung zwischen dem traditionellen paternalistischen Modell und konsumeristischen Ansätzen einnimmt. Das Modell wurde bereits in den 1990er Jahren in den USA und Kanada entwickelt und wird heute von zahlreichen Fachgesellschaften als Good Clinical Practice empfohlen. Es gibt erste Hinweise darauf, dass eine Einbeziehung von Patienten in medizinische Entscheidungen nach diesem Modell Therapieakzeptanz, Zufriedenheit und Compliance verbessert. Unsere eigenen Forschungsaktivitäten zielten in den vergangenen Jahren darauf ab, dieses Modell in der Therapie psychiatrischer Patienten zu etablieren. Mittlerweile wird die Übertragbarkeit des Modells in verschiedenen weiteren Indikationsgebieten untersucht.

Medical Decision Making (MDM) ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit Entscheidungen von Ärzten und Patienten beschäftigt. Dabei geht es neben normativen Ansätzen vor allem darum, medizinisches Entscheiden abzubilden, zu erklären und zu verbessern. In Kooperation mit Grundlagenforschern anderer Disziplinen (z.B. Sozialpsychologie) wenden wir verschiedenste methodische Ansätze auf den medizinischen Kontext an.

  Forschungsprojekte

 

 Aktuelle Forschungsprojekte:    
  • Does it matter whether physicians' recommendations are given early or late in the decision-making process?  Förderung:Foundation for informed medical decision making (George Bennet postdoctoral grant to R. Mendel)

  • Evaluation eines shared decision making Trainings für Patienten mit schizophrenen Erkrankungen Förderung:BMBF
  • Sind psychiatrische Patienten motiviert eine partizipative Entscheidungsfindung aktiv zu unterstützen? Entwicklung und Validierung eines Messinstruments (Förderung: BMBF-Chronische Krankheiten und Patientenorientierung)
  • Praxisvariation in der Implementierung von Compliance-verbessernden Maßnahmen für Patienten mit Schizophrenie (Förderung: Industrie)
    Abgeschlossene Forschungsprojekte:
  • Determinanten der Partizipationsbedürfnisse von Patienten
    In Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie, TU München (PD Dr. Achim Berthele) und dem Lehrstuhl für Methodenlehre und Evaluation, Department Psychologie, LMU München (Prof. Markus Bühner)

    Förderung: Kommission für klinische Forschung, TU München
  • Shared Decision Making: The effects of a patient communication skills training program on patient satisfaction and decisional capacity in schizophrenia treatment
    Förderung: German Israeli Foundation


  • Entscheidungskompetenz, Selbstbestimmungbedürfnis und Tatsächliche Einbeziehung in Entscheidungen von Menschen mit beginnender Alzheimer-Demenz (Esteem-AD)
    In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für kognitive Störungen (Dr. Robert Perneczky) und dem Lehrbereich für Allgemeinmedizin, TU München
    Förderung: Kommission für klinische Forschung, TU München

  • Einfluss von „Psychoedukation“ auf die Partizipationsbedürfnisse von Patienten
    In Zusammenarbeit mit der AG Psychoedukation (Dr. Christine Rummel-Kluge)

  • Informationssuche und –weitergabe von Ärzten und Patienten
    In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Sozialpsychologie, Department Psychologie, LMU München (Dr. Eva Traut-Mattausch, Prof. Dieter Frey)

  • Einstellungen deutscher Psychiater zu Shared Decision Making
    In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Methodenlehre und Evaluation, Department Psychologie, LMU München (Prof. Markus Bühner)

  • Determinanten der Annahme eines Rates im medizinischen Kontext
    In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Sozialpsychologie, Department Psychologie, LMU München (Dr. Eva Traut-Mattausch, Prof. Dieter Frey) und dem Lehrstuhl für Methodenlehre und Evaluation, Department Psychologie, LMU München (Prof. Markus Bühner)

  • Einfluss der Rolle des Entscheiders auf das Ergebnis von Therapieentscheidungen: z.B. Wählen Ärzte für sich andere Therapien als wie sie ihren Patienten empfehlen?
    Zusammenarbeit mit der Klinik für Gefäßchirurgie, TU München (Dr. Evi Knipfer, Prof. H. H. Eckstein)
  • Shared Decision Making in der Therapie der Schizophrenie (2002-2006)
    Förderung: Bundesministerium für Gesundheit

  • Medical Decision Making: Ärztliches Entscheidungsverhalten bei der Therapiewahl für schizophrene Patienten
    Förderung: Industrie


  • Early Adoption of a New Antipsychotic
    Förderung: Industrie und FUTUR-Fond des Bayerischen Wirtschaftsministeriums


  • Antipsychotic Prescribing Patterns in Germany
    Förderung: Industrie


  • Patientenfürsprecher und unabhängige Beschwerdestellen für Nutzer psychiatrischer Dienste
    Förderung: Eigenmittel / Unterstützung durch die Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie
    Implementierung   Erstellung und Implementierung von Decision Aids (Entscheidungshilfen)  

Entscheidungshilfen sind eine zentrale Voraussetzung für Shared Decision Making. Für den Bereich der Schizophrenietherapie hat unsere Arbeitsgruppe mittlerweile für die meisten wichtigen Therapienetscheidungen Entscheidungshilfen entwickelt. Diese wurden in Zusammenarbeit mit Patientenvertretern und Angehörigen verschiedener in der Psychiatrie tätiger Berufsgruppen entwickelt. Großen Wert legen wir darauf, dass die Inhalte evidenzbasiert sind. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit der AG Evidenzbasierte Medizin (PD. Dr. Stefan Leucht).

 

 

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 Fortbildungsmodule für Ärzte und andere Berufsgruppen   Unsere Arbeitsgruppe bietet deutschlandweite Implementierungs- und Trainingsworkshops zum Thema Shared Decision Making an. Allein in den Jahren 2008/2009 haben mehr als 50 dieser Workshops v.a. in psychiatrischen Kliniken stattgefunden.   ws_sdm_2.gif

 

Publikationen

Hamann J, Mendel R, Reiter S, Cohen R, Bühner M, Schebitz M, Diplich S,
Kissling W, Berthele A. Why do some patients with schizophrenia want to be
engaged in medical decision making and others do not? J Clin Psychiatry. 2011 Feb
22.

Mendel R, Traut-Mattausch E, Frey D, Bühner M, Berthele A, Kissling W, Hamann
J. Do physicians' recommendations pull patients away from their preferred
treatment options? Health Expect. 2011 Feb 16.


Mendel R, Hamann J, Traut-Mattausch E, Bühner M, Kissling W, Frey D. 'What would you do if you were me, doctor?': randomised trial of psychiatrists' personal v. professional perspectives on treatment recommendations. Br J Psychiatry. 2010 Dec;197:441-7.

Hamann J, Kruse J, Schmitz FS, Kissling W, Pajonk FG. Patient participation in antipsychotic drug choice decisions. Psychiatry Res. 2010 Jun 30;178(1):63-7.

Hamann J, Mendel R, Schebitz M, Reiter S, Bühner M, Cohen R, Berthele A, Kissling W. Can psychiatrists and neurologists predict their patients' participation preferences? J Nerv Ment Dis. 2010 Apr;198(4):309-11.

Hamann J, Mendel R, Heres S, Leucht S, Kissling W.
How much more effective do depot antipsychotics have to be compared to oral antipsychotics before they are prescribed? Eur Neuropsychopharmacol. 2010 Apr;20(4):276-279.

Hamann J, Mendel R, Cohen R, Heres S, Ziegler M, Bühner M, Kissling W.
Psychiatrists' use of shared decision making in the treatment of schizophrenia: patient characteristics and decision topics. Psychiatr Serv. 2009 Aug;60(8):1107-12.
 
Mendel R, Hamann J, Traut-Mattausch E, Jonas E, Heres S, Frey D, Kissling W.
How psychiatrists inform themselves and their patients about risks and benefits of antipsychotic treatment. Acta Psychiatr Scand. 2009 Aug;120(2):112-9.
Hamann J, Mendel RT, Fink B, Pfeiffer H, Cohen R, Kissling W. Patients' and psychiatrists' perceptions of clinical decisions during schizophrenia treatment. J Nerv Ment Dis. 2008;196(4):329-32. Hamann J, Mendel RT, Lienert A, Uebele G, Kissling W. [Complaint-management in psychiatry - a nationwide survey in Germany] Psychiatr Prax. 2008;35(3):122-7. Reichhart T, Kissling W, Scheuring E, Hamann J. [Patient participation in german psychiatry - a critical review] Psychiatr Prax. 2008;35(3):111-21. Hamann J, Kissling W, Leucht S. How Long do Psychiatrists Wait for Response Before They Switch to Another Antipsychotic? Psychopharmacol Bull. 2007;40(3):149-154. Hamann J, Neuner B, Kasper J, Vodermaier A, Loh A, Deinzer A, Heesen C, Kissling W, Busch R, Schmieder R, Spies C, Caspari C, Härter M. Participation preferences of patients with acute and chronic conditions. Health Expect. 2007 Dec;10(4):358-63. Hamann J, Cohen R, Leucht S, Busch R, Kissling W. Shared decision making and long-term outcome in schizophrenia treatment. J Clin Psychiatry. 2007 Jul;68(7):992-7 Heres S, Hamann J, Kissling W, Leucht S. Attitudes of psychiatrists toward antipsychotic depot medication. J Clin Psychiatry. 2006 Dec;67(12):1948-53. Hamann J, Langer B, Winkler V, Busch R, Cohen R, Leucht S, Kissling W. Shared decision making for in-patients with schizophrenia. Acta Psychiatr Scand. 2006 Oct;114(4):265-73. Hamann J, Adjan S, Leucht S, Kissling W. Psychiatric decision making in the adoption of a new antipsychotic in Germany. Psychiatr Serv. 2006 May;57(5):700-3. Hamann J, Cohen R, Leucht S, Busch R, Kissling W. Do patients with schizophrenia wish to be involved in decisions about their medical treatment? Am J Psychiatry. 2005 Dec;162(12):2382-4. Hamann J, Mischo C, Langer B, Leucht S, Kissling W. Physicians' and patients' involvement in relapse prevention with antipsychotics in schizophrenia. Psychiatr Serv. 2005 Nov;56(11):1448-50. Hamann J, Kolbe G, Cohen R, Leucht S, Kissling W. How do psychiatrists choose among different antipsychotics? Eur J Clin Pharmacol. 2005 Dec;61(11):851-4. Hamann J, Loh A, Kasper J, Neuner B, Spies C, Kissling W, Härter M, Heesen C. [Effects of a shared decision making model in psychiatric and neurologic practice] Nervenarzt. 2006 Sep;77(9):1071-6, 1078. Hamann J, Langer B, Leucht S, Busch R, Kissling W. Medical decision making in antipsychotic drug choice for schizophrenia. Am J Psychiatry. 2004 Jul;161(7):1301-4. Hamann J, Langer B, Kalbhenn E, Kissling W. [Shared decision making--from a model project towards implementation] Z Arztl Fortbild Qualitatssich. 2004 Mar;98(2):115-9. Hamann J, Leucht S, Kissling W. Shared decision making in psychiatry. Acta Psychiatr Scand. 2003 Jun;107(6):403-9.  

 

   
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