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Evidenzbasierte Medizin 

PD Dr. Stefan Leucht

Das Konzept der "evidence-based medicine“ hält zunehmend auch in die Psychiatrie Einzug. Hierbei geht es darum, mithilfe randomisierter Studien, systematischer Reviews und Metaanalysen herauszufinden, welche Behandlungsformen wirksam sind und welche nicht. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden dann in sogenannten evidenzbasierten Leitlinien zusammengefasst. Eine Schlüsselrolle in diesem Gebiet nimmt die Cochrane Collaboration ein, die auf einer CD-ROM bzw. dem Internet (der sogenannten Cochrane Library) solche Metaanalysen zur Verfügung stellt.

So werden am Centrum für Disease Mangement  nicht nur kontrollierte Studien zur Schizophreniebehandlung durchgeführt, sondern auch Metaanalysen (u.a. für die Cochrane Collaboration) erstellt. Schließlich sind wir an der Bewertung und Entwicklung nationaler und internationaler Leitlinien beteiligt.

Mitarbeiter: Dr. Katja Komossa 

 

Psychoedukation / Complianceprogramme / Peer to Peer 

Dr. Gabi Pitschel-Walz, Dr. Christine Rummel-Kluge

Mangelhafte Compliance von Patienten stellt ein Hauptproblem bei der Therapie chronischer Erkrankungen dar. Im Centrum für Disease Mangement werden Psychoedukationsprogramme und Compliance-fördernde Programme entwickelt, evaluiert und in den Behandlungsalltag implementiert. Einen besonderen Stellenwert haben dabei Psychoedukationsprogramme, die von Betroffenen geleitet werden (Peer-to-Peer).  

 

Medical Decision Making / Shared Decision Making 

PD Dr. Johannes Hamann, Dr. Rosmarie Mendel, Prof. Dr. Rudolf Cohen

Shared Decision Making (SDM): Dabei handelt es sich um ein neues Modell der Arzt-Patient-Beziehung, das eine Mittelstellung zwischen dem traditionellen paternalistischen Modell und konsumeristischen Ansätzen einnimmt. Das Modell wurde bereits in den 1990er Jahren in den USA und Kanada entwickelt und wird heute von zahlreichen Fachgesellschaften als Good Clinical Practice empfohlen. Es gibt erste Hinweise darauf, dass eine Einbeziehung von Patienten in medizinische Entscheidungen nach diesem Modell Therapieakzeptanz, Zufriedenheit und Compliance verbessert. Die eigenen Forschungsaktivitäten zielten in den vergangenen Jahren darauf ab, dieses Modell in der Therapie schizophrener Patienten zu etablieren. Mittlerweile wird die Übertragbarkeit des Modells in verschiedenen weiteren Indikationsgebieten untersucht.

Medical Decision Making (MDM): MDM bezeichnet ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit Entscheidungen von Ärzten und Patienten beschäftigt. Dabei geht es neben normativen Ansätzen vor allem darum, medizinisches Entscheiden abzubilden, zu erklären und zu verbessern. In Kooperation mit Grundlagenforschern anderer Disziplinen (Psychologie) wenden wir verschiedenste methodische Ansätze auf den medizinischen Kontext an. 

 

Depottherapie der Schizophrenie 

Dr. Stephan Heres

Die Depottherapie der Schizophrenie birgt mehrere Vorteile gegenüber der Behandlung mit der Tablettenform der Antipsychotika. In der Optimierten Ambulanz für Schizophrene Erkrankungen (OASE) werden diese Vorteile weiter erforscht und die Depottherapie mit ergänzenden Compliance-unterstützenden Therapieverfahren kombiniert. Im Sinne des Medical Decision Making und des Shared Decision Making spielt die Erforschung der Einstellungen der Patienten und Ärzte gegenüber der Depottherapie eine zentrale Rolle, um diese Therapieform weiter klinisch zu optimieren und den Bedürfnissen der Patienten anzupassen. 

 

Integrierte Versorgung 

Dr. Werner Kissling, Romain Beitinger, Dr. Birgit Spill, Dr. Ute Seemann

Das Programm für seelische Gesundheit ist eine neuartige Form der Versorgung psychisch erkrankter Menschen (Integrierte Versorgung nach § 140a ff SGB V). Ziel dieses Programms ist es, den Krankheitsverlauf durch Compliance-fördernde Maßnahmen günstig zu beeinflussen. Verschiedene Interventionen werden hinsichtlich ihres Einflusses auf die Compliance und den Krankheitsverlauf evaluiert:

  • Casemanagement
  • Krisenmanagement
  • Remindersysteme unter Zuhilfenahme moderner Kommunikationsmittel
  • Psychoedukation in Gruppen und in Einzelsitzungen
  • Psychoedukation für Angehörige und Bezugspersonen
  • Medikamententraining
  • Compliance-therapeutische Einzelgespräche
  • Vernetzung der stationären und ambulanten Patientenversorgung
  • Ernährungsberatung
  • Sozialpädagogische Betreuung
  • Interventionen zur Förderung der Tagesstruktur und des körperlichen Wohlbefindens 

 

Klinische Studien 

Von der medikamentösen Behandlung der Schizophrenie oder Depression profitieren viele Patienten, jedoch leiden einige unter fortbestehenden Symptomen oder störenden Nebenwirkungen. Die Entwicklung neuer Antipsychotika und Antidepressiva ist ein langsamer Prozess, im Rahmen dessen zahlreiche klinische Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit und Verträglichkeit der neuen Substanzen durchgeführt werden. Am Centrum für Disease Management werden fortwährend mehrere solche Studien mit neuen Präparaten, teilweise unter stationären, teilweise auch unter ambulanten Bedingungen durchgeführt.          

Mitarbeiter: Dr. Stephan Heres, Christian Schwarz, Dr. Carla Schulze Horn, Dr. Ute Seemann, Dr. Julia Ernst, Dr. Anna Depping, Dr. Tatjana Reichhart, Dr. Katja Komossa

   
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